6 Stunden am Tag erhöhen die Produktivität

Der 8-Stunden-Tag ist in Deutschland Gesetz, im wahrsten Sinne des Wortes. Doch ist dieses sog. Vollzeitarbeitsmodell noch zeitgemäß? Darüber streiten sich seit langem die Experten.

Zum einen sind da die gesundheitlichen Risiken, wenn man acht Stunden oder mehr am Tag arbeitet.

„Für die kognitiven Fähigkeiten ist zu viel Arbeit schlimmer als gar keine. Zu Beginn stimuliert Arbeit die Gehirnzellen. Die mit der Arbeit verbundenen physischen und psychischen Belastungen treten dann zu einem bestimmten Punkt ein, und das hat Auswirkungen auf die Vorteile, die man von der Arbeit hat.“ Forscher Colin McKenzie

Denn gleichzeitig mit der Arbeitszeit steigen die gesundheitlichen Probleme der Arbeitnehmer. Immer mehr leiden unter Burn-Out (oder vergleichbaren Symptomen) und auch die Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind verhältnismäßig hoch. Eine Studie der Universität Melbourne hat sogar herausgefunden, dass bei Arbeitnehmern ab 40 Jahren die Effektivität bereits ab 25 Arbeitsstunden pro Woche, also nach 5 Stunden pro Tag, drastisch sinkt.

Eine Studie aus Großbritannien deckte jüngst auf, ein Mitarbeiter im UK durchschnittlich zwei Stunden und 53 Minuten an einem 8-Stunden-Arbeitstag tatsächlich arbeitet. Immerhin wurden dafür knapp 2.000 Angestellte, die im Büro tätig sind, befragt. Wie aber beschäftigen sich die befragten Mitarbeiter die anderen fünf Stunden und sieben Minuten? Die Kombination von Ablenkungsfaktoren kann vielfältig aussehen, typisch sind aber Nachrichten lesen, Soziale Medien checken, essen, mit Kollegen über arbeitsferne Themen reden, rauchen. Aber knapp jeder fünfte sucht während der Arbeitszeit auch nach neuen Jobs.

In Schweden setzt man auf die 6 Stunden Woche

Schweden hat vor einiger Zeit die 6 Stunden Woche eingeführt. Und immer mehr Firmen nutzen diese Möglichkeit, um ihren Mitarbeitern eine bessere Life-Work-Balance zu ermöglichen. So haben sie mehr Zeit für Familie, Freizeit, Sport und sonstigen Aktivitäten, die zu einem gesünderen und motivierterem Mitarbeiter führen. Die Krankheitsfälle reduzieren sich dadurch, was wiederum auch den Firmen zu Gute kommt. So sind die anfänglichen Mehrkosten, die durch die Neuschaffung von Stellen anfallen, schnell neutralisiert.

Interessant ist auch zu beobachten, dass die Produktivität der Mitarbeiter gleichbleibt: Kaum jemand kann sich 8 Stunden am Tag konzentrieren. Die 2 Stunden Reduzierung motivieren die Mitarbeiter so, das sich tatsächlich nichts an eben jener Produktivität ändert.

Missbrauch macht den Deutschen zu schaffen

Mal „schnell noch eine E-Mail von zu Hause herausschicken“ und „kurz am Sonntag schauen, ob sich bezüglich des Meetings am Montagmorgen noch etwas ergeben hat“.

So oder so ähnlich ist es bei immer mehr Arbeitnehmern in Deutschland an der Tagesordnung. Einen richtigen Feierabend gibt es selten, die Arbeitszeiten verschwimmen mit der Freizeit. Richtig Abschalten ist so kaum möglich. Und viele Chefs nutzen diese gewachsene Bereitschaft aus und erwarten teils sogar eine solche ständige (digitale) Präsenz. Ein Fall von „Fluch der Digitalisierung“?

Auch in Deutschland beginnt langsam ein Umdenken

Cisco hat 2014 Personaler und Angestellte in deutschen Unternehmen befragt, die Mehrheit war sich einig, das es feste Arbeitszeiten im Jahr 2020 nicht mehr geben wird. Durch flexible Arbeitsmodelle, die zum Beispiel auch die Arbeit von zu Hause aus ermöglichen, sollen Beruf und Familie besser vereinbar und koordinierbar gemacht werden.

„Anwesenheitspflicht von neun bis 17 Uhr ist ein Arbeitsmodell aus dem letzten Jahrhundert.“
Oliver Tuszik, Vorsitzender der Geschäftsführung von Cisco Deutschland

Es bleibt zu hoffen, dass sich hier zeitnah etwas tut, sodass auch wir in Deutschland eine gesunde Life-Work-Balance erreichen können. Und ein gesunder, motivierter Angestellter ist doch immer noch der Beste Angestellte!

In dem Sinne: einen schönen Feierabend!

Das könnte Dich auch interessieren...

1 Antwort

  1. Laura Meidel sagt:

    Ein sehr guter Ansatz, mit dem auch wir uns beschäftigen. Die Effizienz und Produktivität geht nämlich auch durch den ständigen E-Mail Verkehr, interne Meetings und andere zeitraubende Kleinigkeiten zur Koordination von Projekten verloren.
    Das war auch bei uns so. Es gab kaum jemanden, der sich nicht wie eine E-Mail-Abarbeitungsmaschine fühlte. Aus dem Grund haben wir ein Management-Werkzeug (myWorkflow®) entwickelt, durch das wir nun wieder mehr Zeit haben.
    Ein 6-Stunden-Tag halte auch ich für sinnvoll, um Mitarbeiter zu motivieren und einen Ausgleich zu schaffen.

    Liebe Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.