Digitale Suffizienz: Effizienz durch Digitalisierung mit Augenmaß

Digitalisierung gilt gemeinhin als ­Effizienz­maschine. Elektronische (und vernetzte) Geräte im Alltag, im Beruf und in der Industrie machen Mensch und Produktion effizienter. Doch die Digitalisierung hat leider auch eine Kehrseite: Erstens geht der Aufbau digitaler Geräte und Infrastrukturen mit einem erheblichen Energie- und Ressourcenverbrauch einher – für die Endgeräte, aber auch die Router, Server, Rechenzentren, Übertragungsnetzwerke, Unterseekabel und so weiter. Und zweitens wird gerade durch die Tendenz, dass immer mehr und mehr elektronische Geräte entstehen und die immer kurzlebiger werden, der Aspekt der Nachhaltigkeit mit Füßen getreten. Was also tun?

In einem lesenswerten Fachartikel im Online-Magazin Netzpolitik beschäftigen sich drei Wissenschaftler mit diesem Thema und prägen den Begriff der „Digitalen Suffizienz“.  https://netzpolitik.org/2019/bits-baeume-von-der-effizienz-zur-digitalen-suffizienz/

Der ­Begriff­ „Suffizienz“­ kommt ­vom ­Lateinischen „sufficere“,­ was­ so­ viel­ wie­ „ausreichen“ ­bedeutet. ­Es ­geht ­bei­ der­ Suffizienz ­um­ die­ Frage­ nach ­dem rechten­ Maß. In diesem Zusammenhang wird die „Digitale ­Suffizienz­“ verstanden als „So viel Digitalisierung wie nötig, so wenig wie möglich“.

­Das ­Ziel­ ist,­ dass­ digitale ­Suffizienz ­insgesamt zu einer deutlichen Reduktion der globalen Ressourcen- und Energieverbräuche und einer nachhaltigen Entwicklung beiträgt, aber dennoch die technologische Entwicklung nicht behindert.

Die Autoren teilen die „Digitale Suffizienz“ im weiteren Verlauf des Artikels in die vier Unterkategorien ein.

  1. Techniksuffizienz
  2. Datensuffizienz ­
  3. Nutzungssuffizienz
  4. Ökonomische­ Suffizienz

Die Techniksuffizienz zielt klar darauf ab, Informations-­ und ­Kommunikationssysteme ­so ­zu ­konzipieren, ­dass ­nur wenige Geräte nötig sind und diese selten erneuert werden ­müssen. ­Hier wäre zum Beispiel ein Entgegenwirken gegen den Smartphone-Wahnsinn zu nennen. Immer schneller dreht sich hier die Innovationsspirale, immer häufiger erscheinen neue Produkte – getrieben durch die Innovationsgier der Verbraucher. Altgeräte werden oftmals sorglos entsorgt, statt sie zu spenden und weiterzugeben. Immer häufiger wird diskutiert, ob die Gerätehersteller die Geräte sogar auf Kurzlebigkeit produzieren. Dem müsste man im Sinne der Techniksuffizienz entgegenwirken.

Andersherum könnte das Zusammenwachsen von Smartphones und Tablet zu Phablets oder faltbaren Smartphones zu einer Reduzierung der Menge an Einzelgeräten führen.

Bei der Datensuffizienz geht es darum, dass die Entwicklung – wenn auch von einigen Konzernen gewollt – zu immer mehr Daten und immer größerem Datenverkehr verlangsamt werden muss. Immer mehr Daten erfordern immer stärkere Leitungen und Netze sowie immer größere Server. Hier wird die Digitalisierung z. B. im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge wohl keinen Weg zur Datensparsamkeit bieten.

Die Nutzungssuffizienz­ spielt in der gleichen Liga wie die Techniksuffizienz. Denn einer der Haupttreiber von immer neuer, moderner Technik und neuen Geräte ist der Konsument.

Hier müssen ein Umdenken und veränderte Verhaltensmuster der Nutzer*innen erfolgen. Wenn das Smartphone kaputtgeht, können Nutzer*innen versuchen, es zu reparieren, anstatt sich sofort ein neues Gerät zu kaufen – sofern ein ­techniksuffizientes­ Design­ der ­Geräte ­dies ­zulässt.

Bei der ökonomische­n Suffizienz geht es schließlich um die wirtschaftlichen Aspekte der Digitalisierung bzw. um die Frage, inwieweit Digitalisierung und Suffizienz, also der maßvolle Umgang mit Ressourcen, zusammenpassen können. Die Autoren sehen hier z. B. die Ansätze der Sharing Economy, also das Teilen von Ressourcen, Technologien etc., als möglichen Weg.

Bild von Lars_Nissen_Photoart auf Pixabay

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