Themenabend: Industrie 4.0 und Lean Management im Fokus

Seit einiger Zeit geistert ein Begriff durch die Industriewelt, der eine Revolution beschreiben soll, bei der Maschinen intelligent werden und miteinander und mit dem Menschen kommunizieren. Nach der ersten, zweiten und dritten industriellen Revolution (Mechanisierung mit Wasser- und Dampfkraft, Massenfertigung mit Hilfe von Fließbändern und elektrischer Energie, Einsatz von Elektronik und IT zur weiteren Automatisierung der Produktion) wird diese Entwicklung als vierte industriellen Revolution, als Industrie 4.0 bezeichnet. Weitere Begriffe in diesem Themenfeld sind M2M (Machine-to-Machine) und Internet of Things (IoT). Beide beschreiben genau das, was die vierte industrielle Revolution ausmacht.

Ein bereits seit vielen Jahren in der Industrie und mittlerweile in anderen Bereichen (z.B. Dienstleistung) etablierter Begriff ist „Lean“. Im Zusammenhang mit Lean Management, Lean Manufacturing, Lean Production bezeichnet „Lean“ die Gesamtheit der Denkprinzipien, Methoden und Verfahrensweisen zur effizienten Gestaltung der gesamten Wertschöpfungskette industrieller Güter.

Im Rahmen eines Themenabends des Qualitätsverbunds berufliche Weiterbildung der IHK Aachen wurde darüber diskutiert, wie Unternehmen mit Industrie 4.0, Lean-Konzepten und systematischer Mitarbeiterentwicklung ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten können.

Dabei stellten drei Experten in Kurzvorträgen verschiedene Perspektiven von Industrie 4.0 und Lean-Management vor.

Den Vortragsteil eröffnete Dr. Ing. Gerd Conrads vom Lean Enterprise Institut GmbH aus Aachen. Er fasste kurz zusammen, was hinter der Industrie 4.0 steckt und zeigte den Zusammenhang zum Lean Management auf. Es sei heute bewiesen, dass Unternehmen, die Lean machen, sich nicht so schwer tun mit der Einführung von Industrie 4.0. Das läge unter anderem daran, dass schlanke Prozesse leichter mit den neuen Konzepten Mensch-Maschine- und Maschine-Maschine-Kommunikation abzubilden wären. In der anschließenden Diskussion mahnten kritische Stimmen, dass die Industrie 4.0 Entwicklung wieder Arbeitsplätze kosten werden und der Mensch weiter in den Hintergrund der industriellen Fertigung treten werde.

Diese menschliche Komponente verdeutlichte auch Ralf Schimweg von der Würselener Unternehmensberatung MA&T Sell & Partner GmbH. In seinem Kurzvortrag „Industrie 4.0 – Was heißt das für Personalentwicklung und Qualifizierung der Mitarbeiter/-innen?“ zeigte er klar auf, dass einige Berufsgruppen bei der vierten industriellen Revolution „auf der Strecke“ bleiben werden. Damit meinte er die ungelernten Mitarbeiter in den Unternehmen ebenso die Führungskräfte des mittleren Managements, die alleine schon durch „Lean“ oft wegrationalisiert würden und durch die Industrie 4.0 Entwicklung zunehmen durch Facharbeiter und Experten ersetzt würden. Genau diese Gruppe, die Experten in Sachen Kommunikation, IT und Maschinen, die an der Mensch-Maschine-Schnittstelle arbeiten, profitieren von Industrie 4.0.

Schimweg machte deutlich, dass der einzige Weg aus dem Dilemma die gezielte Aus- und Weiterbildung sei. Zudem müssen sich die Unternehmen auf neue Arbeitsmodelle einstellen, bei denen das Arbeiten via Internet eine zentrale Rolle spielt.

Im dritten und letzten Vortrag zeigte Dr. Georg Bayer, Vorstand der team babel AG aus Herzogenrath auf, wie „Lean QM“ funktioniert. Er stellte das Wiki-Babel vor, ein Wiki-System, mit dem man ein lebendiges Qualitätsmanagement-System umsetzt. Mit dem Wiki-Babel sei es Unternehmen nicht nur möglich, den QM-Prozess zu optimieren, sondern auch in Hinblick auf die Revision der IS= 9001:2015, das Wissen und die Erfahrung in den Köpfen der Mitarbeiter einzufangen, zu konservieren und für andere nutzbar zu machen.

IHK Industrie 4.0

Nach einem Erfahrungsaustausch und einer Feedbackrunde schloss der Gastgeber Frank Finke von der IHK Aachen den Themenabend mit dem Wunsch, innerhalb des Qualitätsverbundes gerne eine Arbeitsgruppe zum Thema Industrie 4.0 zu bilden.

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