Wenn Manager und Ingenieure spielen – Die Funktions- und Wirkungsweise von Planspielen

Planspiele sind Methoden zur Simulation komplexer realer (soziotechnischer) Systeme und werden häufig zu Lehr- und Lernzwecken eingesetzt. Wir kennen Planspiele z.B. als Flugsimulator in der Pilotenausbildung, als Unternehmensplanspiel in der Managementausbildung oder als Führungsplanspiel zum Training von Führungskompetenzen. Ihr Ursprung liegt in der Simulation militärischer Auseinandersetzungen (militärisches Planspiel).

All diese Planspiele haben eines gemeinsam: Sie haben verbinden das Lehren und Lernen in Spielsituationen, die möglichst realitätsnahe Rollenspiele ermöglichen. Sie holen die Teilnehmenden aus ihrer betrieblichen Realität ab und entführen sie in eine abstrakte Spielumgebung. Die Realitäten werden hier zwar vereinfacht und verallgemeinert, jedoch bieten sie klare Bezüge zu realen Problemen und fordern die Teilnehmer zu deren Lösung auf.

Das Lean Enterprise Institut am Campus Aachen hat gemeinsam mit dem Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen mehrere Planspiele zu den Lean Themen entwickelt, die insbesondere den Materialfluss in der Produktion, die Auftragsabwicklung in der Administration, die Bestände und Transporte in der Logistik und die Komplexität von Produkten über Planspiele für die Teilnehmer erfahrbar machen.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Effizienter werden – wettbewerbsfähig bleiben” der team babel AG stellte Dr. Gerd Conrads vom Lean Enterprise Institut am Dienstag, 31.5. in einem Vortrag die grundlegende Funktions- und Wirkungsweise von Planspielen vor und machte die Effekte für die Lean Production und Lean Administration in der Praxis deutlich. Anschließend konnten die 10 Teilnehmer selbst auf spielerische Weise die Wirkungsmechanismen der Lean-Methode kennen lernen. Dazu wurde eine verkürzte Version des hauseigenen Planspiels LeanProductionRacer mit den Teilnehmern vor Ort gespielt. Ziel dieses Planspiels ist es, den Teilnehmern die Grundprinzipien der Lean-Philosophie zu vermitteln, diese mit den eigenen Kenntnissen und Erfahrungen zu verknüpfen, um diese anschließend in reale Arbeitsabläufe übertragen und anwenden zu können.

Zwei Gruppen zu fünf Teilnehmer

Für das Spiel wurden die zehn Teilnehmer in zwei Gruppen zu fünf Mitspielern aufgeteilt.

Aufgabe war es, ein kleines Spielzeugauto, dass aus Bauteilen von Fischer-Technik besteht, für einen Kunden zu produzieren. Von diesem Auto (der LeanProductionRacer) gibt es 18 Varianten mit kleinen Abwandlungen.

In jedem Team waren folgende Rollen verteilt: Moderation und Produktion, Materialwirtschaft, Qualitätsmanagement, Kunde und Rückbauer (der die produzierten Autos wieder zerlegt, damit genügend Bauteile vorhanden sind).

Runde 1

Nach einer Planungs- und Vorbereitungsphase, in der sich die Teilnehmer mit den Bausteinen und Varianten bekannt machen konnten, sollten in der ersten Produktionsrunde 18 Varianten in jeweils eine Minute produziert werden.

Lean-Planspiel_1

Die Teams in der Vorbereitungsphase

Hier kam bereits ein beeindruckendes Ergebnis von 75% bzw. 92% richtig produzierten Varianten ohne Qualitätsmängel und mit pünktlicher Auslieferung heraus.

Runde 2

In der zweiten Runde wurden die Varianten erweitert und die Produktionszeit auf 45 Sekunden pro Auto reduziert.

Lean-Planspiel_2

Der LeanProductionRacer in der „Produktion“

Obwohl die Anforderungen höher wurden, ließ die Qualität nur leicht nach, was mit einem Anstieg der Lernkurve begründet wurde.

Runde 3

In der dritten Runde wurden sogenannte Kanban Plätze eingeführt, auf denen die einzelnen Bauteile oder Baugruppen abgelegt wurden. Die Teammitglieder durften jetzt nicht mehr miteinander reden, waren sozusagen voneinander getrennt. Nur noch der Produzent erhielt die Order des Kunden.

Während der Produktion muss jedes Teammitglied in der Prozesskette selbständig anhand des Materialbestandes auf einem Kanban Platz erkennen, ob und wieviel er nachproduzieren muss.

Lean-Planspiel_3

Die Kanban Plätze wurden in Runde 3 eingeführt

Die Teilnehmer sollten so die Prinzipien der Lean Production noch deutlicher erkennen.

Runde 4

In der vierten und letzten Runde wurden die Aufträge über Lieferkarten mit individueller Lieferzeit vom Kunden vorgegeben. Die ersten Varianten mussten innerhalb von 30 Sekunden produziert und in den letzten 5 Sekunden, nicht später und nicht früher, ausgeliefert werden.

Lean-Planspiel_4

Kanban-Plätze und Auftragskärtchen mit individuellen Kundenvorgaben.

Jetzt erkannte man deutlich die Anspannung und Konzentration der Teilnehmer, die trotz verschlankter Prozesse mit den Zeitvorgaben zu kämpfen hatten.

Fazit

Nach Ende des Spiels zeigten sich alle Teilnehmer äußerst beeindruckt von der Wirkungsweise des Planspiels, von den erlernten Erkenntnissen und den Resultaten.

Dr. Conrads machte deutlich, dass es sich hier um eine abgespeckte 2 Stunden Variante handele und das Planspiel bei den Workshops am Lean Enterprise Institut doppelt so lange dauere. Die Ergebnisse und Erkenntnisse seien dort noch viel deutlicher.

Lean-Planspiel_4

Kanban-Plätze und Auftragskärtchen mit individuellen Kundenvorgaben.

Sie wollen mehr wissen über die Veranstaltungsreihe “Effizienter werden – wettbewerbsfähig bleiben” der team babel AG? Dann finden Sie hier alle Termine der kostenlosen Vortragsreihe.

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